#40: „Frauenfragen“: Folge 40 mit Armin Wolf

Für den Abschluss der 4. Podcast-Staffel habe ich mich selbst noch einmal so richtig herausgefordert und einen Mann eingeladen, der als Inquisitor der Nation bekannt ist und sich darüber hinaus als Vorbereitungsfreak bezeichnet. Das alleine würde ja schon genügen, um bei einem Interview so richtig nervös zu sein. Die Tatsache, dass ZIB-Anchor Armin Wolf aber auch noch eines meiner großen Vorbilder im Journalismus ist, hat meinen hibbeligen Gemütszustand noch zusätzlich verstärkt. Also, habe ich einfach das gemacht, was ich am besten kann und die Dinge beim Namen genannt. „So nervös wie vor dem heutigen Gespräch war ich, glaube ich, noch nie!“ war mein Einstieg und hat tatsächlich geholfen. Danach ging das Atmen wieder leichter, und ich hatte kein Problem mehr damit Wolf als „optisch eher durchschnittlich“ zu bezeichnen und ihn mit klassischen Frauenfragen zu löchern, was ihm recht bald ein „It started quite bad and went downhill from there“ entlockt hat.

Nachdem wir den roten Teppich verlassen haben, haben wir über die gläserne Decke und Frauenquoten im Journalismus gesprochen und warum es in manchen Bereichen so schwierig ist weibliche Interviewpartnerinnen zu finden. „Es gibt in Österreich etliche Professorinnen für Verfassungsrecht. Wir haben fast nie eine im Studio, weil, wann immer wir anrufen, lehnen sie aus diversen Gründen ab. Und so landen wir fast immer bei Heinz Mayer.“ Darüber hinaus liefert der gebürtige Tiroler einen ganz guten Einblick in die Geschlechteraufteilung in der Führungsetage des ORF.

Obwohl ich sehr darauf bedacht bin möglichst wenige persönliche Fragen zu stellen (Das war vor Interviewbeginn unsere Abmachung) landen wir irgendwann doch bei Wolfs Privatleben und Kindheit – Bei seinem gewalttätigen Vater und der Frage, wie ihn das in seinem Männerbild geprägt hat. Außerdem erfahre ich, warum Kuchenbacken bei ihm zu einem Anstieg von Stresshormonen führt und warum er keine leiblichen Kinder hat, sich ein Leben ohne Kinder aber nicht mehr vorstellen kann. Zum Schluss schmeißt mir Wolf dann auch noch gekonnt eloquent eine Retourkutsche auf den Tisch: Als ich ihm seinen Preis, den er bekommt, weil er das Interview ohne Joker gemeistert hat, präsentiere (eine Packung Schnitten), bezeichnet er diese als optisch „maximal durchschnittlich“. So sind wir also quitt und gehen nach einem Gespräch auseinander, in dem die Durchschnittlichkeit zwar die Klammer ist, ansonsten aber rein gar nicht vorkommt.

FRAUENFRAGEN STELLT VOR:

Armin Wolf ist 56 Jahre alt. Optisch kann man ihn als seriösen, eher durchschnittlichen Typen beschreiben. Er ist nicht sehr sportlich, aber für einen Mann in seinem Alter immer noch recht schlank. Der gebürtige Tiroler ist in zweiter Ehe mit Euke Frank, der Chefredakteurin der Zeitschrift „Woman“ verheiratet, mit der er zwei Stiefkinder hat. Wolf hat Politikwissenschaft studiert und ist seit 1985 Journalist beim ORF. Zuerst war er beim Radio im Landesstudio Tirol beschäftigt. Seit 20 Jahren moderiert er die „ZIB 2“, die wichtigste Nachrichtensendung des Landes. Seit 2010 ist er auch stellvertretender Chefredakteur der ORF-Fernsehinformation. Für seine journalistische Arbeit hat er schon zahlreiche Preise bekommen, u.a. mehrmals die Romy als beliebtester Moderator oder den Axel-Corti-Preis sowie den Grimme Preis.

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