SCHWARZER PETER

Nach der Geburtstagsfeier haben wir alle einen Kater. Er ist dick und fett, wie Garfield, der Held meiner Kindheit. Und genauso schlecht gelaunt. Vor allem das Großkind ist heute mit einer ordentlichen Portion Grant aufgewacht und findet schon beim Frühstück mindestens drei Dinge, die blöd sind. Die, blöderweise, ich falsch gemacht habe. Das falsche Müsli gekauft, die Milch zu wenig stark gewärmt und den Löffel auf die falsche Seite der Schüssel gelegt. Für Tage wie heute wünsche ich mir nichts sehnlicher, als Ohropax. Und eine Augenklappe. Nichts sehen und hören. Wenigstens für zehn Minuten.

Solange ist das Großkind gestern vor der Tür gesessen, hinter der ich Yoga gemacht habe und hat gewinselt. Neben einem Tag Urlaub und einem Kuchen, hab ich mir vom Mann ja Yoga zum Geburtstag gewünscht. Also eigentlich hab ich mir gewünscht, dass er eine Stunde auf die Kinder schaut und ich nicht gestört werde. Hat super geklappt. Nicht. Das Großkind sitzt also vor der Tür, hinter der ich im herabschauenden Hund verharre und winselt. Ich überlege, ob das auch eine Art Yoga-Praxis ist und stimme nach kurzer Zeit in den Hundegesang ein. Aus meinem Winseln wird jedoch bald ein Bellen. „Kann ich nicht mal ein paar Minuten Ruhe haben? Nicht mal an meinem Geburtstag?“ Das Großkind schleudert mir ein „du bist so gemein“ entgegen und läuft weg. Nachdem ich mich fürs Yoga eh noch nicht richtig aufgewärmt habe, laufe ich hinterher. „Was ist los?“ „Es ist so gemein, dass du  Geburtstag hast und ich nicht“. Verstehe. Daher weht der Wind. Mein Kind ist auf mich eifersüchtig, weil ich auch einmal im Jahr Geburtstag habe und Geschenke bekomme. Einatmen. Ausatmen.

Ich verlagere meine Yoga-Stunde ins Wohnzimmer und baue das Reden als neues Element ein. Schließlich einigen wir uns darauf, dass sich an meinem Geburtstag jeder was wünschen darf. Das Großkind will Videos schauen, das Kleinkind Eis, der Mann Wein, und zwar viel, und ich wünsche mir einfach nur Ruhe. Also sperre ich mich wieder in mein Zimmer ein und begebe mich in die Totenstellung. Tiere, wie das Opposum machen das übrigens genauso, um sich vor Feinden zu schützen. Bis zu sechs Stunden lang, können sie in dieser Stellung verharren. Ganz so lange halte ich es dann aber doch nicht aus.

Heute ist jedenfalls ein neuer Tag, der Tag nach dem Geburtstag und ein weiterer Tag in der Quarantäne. Der Mann ist wieder im Homeoffice, ich wieder im Mamakostüm mit dünnem Nervenkostüm. Auch nach dem Frühstück ist das Großkind immer noch grantig. Weil ich ihm die Haare bürsten will, zuckt es komplett aus und schließt sich im Kinderzimmer ein. Also, versuche ich in der Zwischenzeit das Kleinkind zu unterhalten. Ist ja auch arm so im Einzugsgebiet zweier feuerspeiender Vulkane. Wir spielen „Schwarzer Peter“ und natürlich verliere ich. Immer und immer wieder. Und für jedes Mal bekomme ich einen Punkt auf die Nase. Das Kleinkind hat schon immer gerne gemalt. Weil der schwarze Stift im Bermudadreieck unserer Wohnung verschwunden ist, verwenden wir einen braunen. Ich höre eine Türklinke und schlurfende Schritte in unsere Richtung. Das Großkind ist wieder da. Mit immer noch grantiger Miene. Als es mich anschaut, verändert sich sein Gesichtsausdruck aber schlagartig und es fängt an zu lachen. „Die Mama hat Kacka auf der Nase“. Wie schön. Das Großkind ist wieder gut drauf. Der Tag ist gerettet.

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