KÖRPERPFLEGE

Nachdem ich mich derzeit nicht so oft in den Spiegel schaue, vergesse ich vermehrt auf bestimmte Details der Körperpflege. Dass es ein Problem gibt, merke ich unter anderem daran, dass die Gesichtserkennung am Handy nicht mehr so funktioniert, wie sie soll. Jedes zweite Mal muss ich jetzt einen Code eingeben, statt nur zu lächeln. Deshalb hab ich mir heute eine Erinnerung angelegt. „Augenbrauen zupfen“. Mittlerweile wuchert es ordentlich in meinem Gesicht. Die Pickel sprießen, weil Schokolade zu meinen neuen Grundnahrungsmitteln zählt – da wir nicht so oft einkaufen gehen, versuche ich schlau hauszuhalten. Und Schokolade hält sich einfach länger, als frisches Obst – und meine Stirnfransen bedecken schon fast meine Augenbrauen. Wenn ich es mir genau überlege, könnte ich das mit dem Zupfen also auch gleich wieder lassen. Der Aufwand und die Schmerzen lohnen sich im Grunde gar nicht. Jetzt, wo man die Augenbrauen eh kaum mehr sieht. Vielleicht warte ich mit der Gesichtshygiene doch noch bis nach Ostern. Das Großkind hat sowieso schon den Verdacht geäußert, dass ich der Osterhase bin. Mit mehr Fell am Körper schau ich auch mehr danach aus. Zwei Fliegen mit einer Klappe quasi.

Ich wünsche mir mittlerweile übrigens, genau wie die Kinder, dass jeden Tag Ostern ist. Denn seit einigen Tagen läuft das Großkind gleich nach dem Aufstehen in den Garten, um nachzuschauen, ob der Osterhase schon da war. Das Kleinkind natürlich hinterher. Wie durch ein Wunder können sich die Kinder plötzlich selbständig anziehen, und auch das Zähneputzen ist kein Thema mehr. Danke, Osterhase. In unserem Garten gibt es zum Glück eine Menge Sträucher und Bäume, also viel Platz, um Eier und andere Sachen zu verstecken. Und so sind die Kinder mindestens eine halbe Stunde beschäftigt. Dass der Osterhase die Geschenke nicht in der Erde vergräbt, hätte ich ihnen vielleicht erklären sollen, aber was solls. Ich will nicht kleinlich sein. Zum ersten Mal seit Wochen kann ich meinen Morgenkaffee in Ruhe trinken. Warm und ohne währenddessen mindestens fünf Mal aufzustehen, um das Licht am Klo aufzudrehen, verschüttetes Wasser vom Boden aufzuwischen oder den Finger der Kleinkindes von den Haaren des Großkindes zu lösen. Mein Quarantäne-Alltag wird also immer besser. Wer hätte gedacht, dass es so einfach geht. Wobei. Es heißt ja auch Schönheit hat ihren Preis und genauso hat in Ruhe Kaffee trinken seinen Preis. Denn nachdem die Kinder wieder keine Eier gefunden haben und deprimiert angekrochen kommen, muss ich sie erstmal ausgiebig trösten. Und meistens auch gleich nochmal umziehen.

Das Großkind findet den Osterhasen mittlerweile richtig blöd und mich sicherheitshalber gleich dazu. Doch dann hat es eine Erkenntnis. Die Erkenntnis schlechthin. Vielleicht ist der Osterhase noch nicht gekommen, weil er Corona hat. Vielleicht ist er krank geworden. Und, wenn er nicht krank ist, darf er dann überhaupt zu uns kommen? Keine fremden Menschen besuchen und so. Die nächsten Minuten werde ich mit Fragen gelöchert. Teilweise höchst philosophische Fragen, wie „wie kann der Osterhase die schweren Geschenke ganz alleine tragen? oder “wie kommt der Osterhase überhaupt in unseren Garten, wenn er keinen Schlüssel hat?”. Es ist 7 Uhr 30. Das Koffein hat mich zwar munter gemacht, doch es wirkt plötzlich nicht mehr. Kinderfragen und Koffein vertragen sich nicht so gut. Ich bin unendlich müde. Vor allem, wenn ich daran denke, dass ich morgen schon um sechs Uhr aus dem Bett muss, weil ich dem Osterhasen ja helfen muss. Die Tür aufsperren zum Beispiel. Ich hoffe nur, die Kinder haben dann überhaupt noch Lust zu suchen.

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