KLOPAPIER

Endlich erschließt sich mir der Grund der Klopapier Hamsterkäufe. Für diese Erkenntnis muss ich etwas ausholen. Mit Kindern wird die Luft zuhause allmählich immer dünner. Unzählige Ostereier wurden bemalt und Tiere aus Eierbechern gebastelt. Das Badezimmer wurde mehrmals überschwemmt und Glitzer in alle erdenkliche Ritzen verteilt. Langsam wird es echt langweilig. Und jetzt kommts. Als ich heute Früh Klopapiernachschub aus dem Keller hole, werde ich umringt, als hätte ich einen Sack voll Gummibären dabei. So schnell kann ich gar nicht schauen, wird das Klopapier beschlagnahmt. Der Zoll ist dieser Tage unbarmherzig. Diskussionen ausgeschlossen. Auch das Wohnzimmer wird besetzt. Es ist eine Mischung aus rigider Staatsgewalt und Anarchie. Ein Wechsel im Minutentakt. Die Kinder bauen eine Stadt aus Klopier- und Küchenrollen, und dafür benötigen sie zwei Drittel des Wohnzimmers. Eine Springschnur dient als Grenze und die Soldaten, die darauf patrouillieren, haben Trillerpfeifen. Ein zaghafter Versuch meinerseits eine Zehe über die Trennlinie zu strecken, macht deutlich: Trillerpfeifen sind laut. Sehr laut.

Ich breite also meine Yogamatte auf den restlichen zwei Quadratmetern aus und atme. Was soll ich sonst tun? Ich versuche mich auf das Zwitschern der Vögel vor dem Fenster zu konzentrieren. Doch Sirenengeräusche und das Muhen einer Kuh mit Wiener Dialekt durchdringt meinen verzweifelten Versuch der Entspannung. Plötzlich springt mich etwas von hinten an. Vielleicht ist es der letzte mündige Mensch, der es noch von Ungarn zu uns geschafft hat. Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass ich wohl den Rest des Tages in der Stellung des Kindes verbringen werde. Gut, es gibt sicher unangenehmere Positionen. Namasté!

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