SCHNITZELHAMMER

Heute hab ich beschlossen meine Hausfrauen-Qualitäten voll auszuspielen. Man gönnt sich ja sonst nix. Ich mache Schnitzel zum Abendessen, und das, obwohl ich seit Monaten Vegetarierin bin. Gut, hin und wieder esse ich die Reste von Speisen, die die Kinder über lassen. Aber, das zählt nicht. Es ist 17 Uhr 30. Eine kritische Zeit. Das Kleinkind ist müde, und jedes unüberlegte Wort könnte einen Wutausbruch herbeiführen. Ich schlage also vor baden zu gehen. Das zieht immer. Nachdem die Kinder damit beschäftigt sind sich gegenseitig Schaum in die Haare zu schmieren, gehe ich in die Küche, um Schnitzel und Pommes zuzubereiten. Der Mann sitzt immer noch im Homeoffice. Romantischer könnte es gerade nicht sein. Ich drehe Musik auf. Dieses Mal für Erwachsene und schenke mir ein Glas ein. Mineralwasser natürlich.

Das letzte Mal, als ich Schnitzel paniert habe, hatte ich rosafarbene Strähnen im Haar und einen Nasenring. Jetzt sind die Strähnen grau und der Ring ist an den Finger gerutscht. Um mein Fleisch-Wissen aufzufrischen, hat mir der Mann in der Mittagspause Nachhilfe gegeben. Fünf Minuten lang hat er mir erklärt, welchen Unterschied es macht, ob das Schnitzel drei oder vier Millimeter dünn ist. Dünn muss es jedenfalls sein. Das ist klar. Klar. Ich schwinge also den Fleischhammer und klopfe. Die Kinder lachen im Badezimmer, weil sie glauben ein Pirat kommt, um ihr imaginäres Boot zu entern. Ich höre Wasser auf den Boden platschen, das eigentlich in die Wanne gehört und merke, wie mir langsam heiß wird. Das Adrenalin strömt durch meine Adern. Ich drehe die Musik lauter und verprügle das Stück Fleisch unter meinen Händen mit aller Kraft. Dabei sehe ich mein Spiegelbild im Fenster und erschrecke. Jack Nicholson in „The Shining“. Genau so hat er ausgesehen. Als alle Schnitzel fertig geklopft und paniert sind, fühle ich mich, wie nach einem dieser vielversprechenden Workouts, die gerade auf den Social Media Plattformen angepriesen werden. Free Membership für ein Monat? Nein, danke, ich koche schon.

Das Fleisch brutzelt in der Pfanne, und ich wische Mehl- und Bröselreste von der Anrichte. An einer Stelle kleben die Brösel besonders hartnäckig. Als sie trotz Spülmittel nicht verschwinden, sehe ich genauer hin. Mein Schnitzel-Workout hat Spuren hinterlassen. Die Anrichte ist nun mit kleinen Löchern verziert. Die Spuren des Fleischhammers. Der Mann ist fertig mit Homeoffice und kommt in die Küche. Grazil schwinge ich mich auf die Anrichte, um mein Werk zu bedecken. Zu spät. Er merkt, dass etwas nicht stimmt und schiebt mich zur Seite. Nein, ich möchte nicht darüber reden. Nein, ich habe mir das vorher nicht überlegt. Und ja, ab morgen bin ich wieder Vegetarierin. Dieses Mal für immer.

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