ALSO BIN ICH FEMINISTIN

„Feministin ist ein Schimpfwort“, sagte unlängst eine Freundin zu mir. Und deshalb will sie sich nicht als solche bezeichnen. Immer wieder treffe ich Menschen, die mit dem F-Wort ein Problem haben. Selbst die österreichische Frauenministerin Susanne Raab will nicht so genannt werden. Was absurd ist und mich verwirrt. Wie kann eine Bewegung, die sich für die Gleichstellung aller Menschen einsetzt, die gegen Sexismus und die Diskriminierung von Frauen kämpft, als etwas Schlechtes gesehen werden? Warum wird der Begriff abgelehnt? Und warum ist es Frauen eigentlich nicht egal, ob sie als Feministin bezeichnet bzw. beschimpft werden? Wem wollen sie denn gefallen?

Also, ich kenne kaum hübschere Schimpfworte als „du Feministin“. Allein der Klang überragt jedes „du Idiot“ oder „du Trottel“, und praktischerweise wird es auch in mehreren Sprachen verstanden (“feminist”, engl., “féministe”, franz., “femminista”, ital., “feminista”, ungar., etc.) . Man weiß also immer gleich woran man ist, was man von “Beidl” zum Beispiel nicht behaupten kann. Außerdem: Kann ein Schimpfwort generell nicht nur dann zum Schimpfwort werden, wenn ich als Empfängerin es auch als solches empfinde? Wenn ich zulasse, dass mich das Wort erniedrigt und ich mich dafür schäme? Wenn ich Angst habe, dass andere denken könnten, ich sei hässlich, eine Männerhasserin und hätte unrasierte Beine? Wollen wir die Deutungshoheit über den Begriff wirklich bornierten Männern, Trollen im Internet und Rechtsgesinnten überlassen?

Wenn ich weiß, wofür der Feminismus steht, dass er der guten Sache dient und dass er will, dass alle Menschen gleichberechtig leben können, muss das F-Wort doch als Kompliment empfunden werden. Selbst, wenn es in lautem, unsympathischem Tonfall daherkommt. Und, wenn ich mir die Liste der Frauen anschaue, die Feministinnen waren, bin ich stolz darauf „Feministin“ geschimpft zu werden. Also bin ich Feministin – nicht nur am Internationalen Frauentag!

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